Rezension - Fritz F. Pleitgen: Durch den wilden Kaukasus

Der Kaukasus als Grenzregion zwischen Asien und Europa ist sicher eine der interessantesten, aber auch unsichersten Gegenden der Erde. Diese Gegend durchquerte der Autor von Norden nach Süden und von Westen nach Osten auf den Spuren von Alexandre Dumas und anderen Literaten. Er bereiste dabei Staaten, die erst seit kurzem oder offiziell (noch) gar nicht existieren und sprach dabei mit Menschen unterschiedlichster Volksgruppen und Religionen. Bei seinen Reisen ließ er auch ausgewiesene Krisengebiete nicht aus, begegnete unter anderem europäischen Minenräumern, Soldaten verschiedener Armeen, Flüchtlingen und Rückkehrern, Siegern und Besiegten. Das Ergebnis ist ein äußerst farbenprächtiger Reisebericht, in dem Menschen, Landschaften, aber auch die Geschichte lebendig beschrieben wird. Dabei verarbeitet der Autor immer wieder Zitate aus den Reiseberichten seiner Vorgänger und vergleicht ihre Beobachtungen mit seinen eigenen.
Trotz der Fülle an Informationen wird der Leser nie verwirrt. Der Autor vermeidet langatmige Darstellungen geschichtlicher oder sonstiger Fakten, die für das Verständnis des Ganzen überflüssig wären. Informationen aus Geschichte, Politik und Völkerkunde werden nur dort eingestreut, wo sie für den Zusammenhang wichtig sind und die Lebensumstände der Menschen erklären. Der Autor beschreibt die desolaten wirtschaftlichen Zustände in den meisten der von ihm besuchten Gebiete und auch die für westliche Verhältnisse teilweise primitive Unterbringung seines Teams, verfällt aber nie in die Gewohnheit, sie an den westlichen Verhältnissen messen zu wollen. So vermerkt er denn auch beispielsweise positiv, dass es fließendes Wasser auf dem Zimmer gäbe - wenn auch kein warmes - oder an anderer Stelle, dass man immerhin ein paar Stunden am Tag Strom gehabt hätte.
Empfehlenswert ist das Buch in jedem Fall für jeden, der gerne Reiseberichte liest, oder der sich einen Überblick über die Verhältnisse im Kaukasus verschaffen will. Um das Buch zu verstehen sind keine besonderen Vorkenntnisse über Geschichte, Politik oder Geographie der Region nötig - nicht zuletzt, da das Notwendige übersichtlich erklärt wird und auch, da am Ende des Buches (zumindest der Taschenbuchausgabe des Fischer Verlages von 2002) zwei Karten zu sehen sind, die den Reiseweg des Autors darstellen.

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