Rezension - Peter Balakian: The Burning Tigris

Der Autor zeichnet in seinem Buch (das leider bis jetzt nur auf Englisch erhältlich ist) eines der dunkelsten Kapitel des frühen 20. Jahrhunderts nach - den Völkermord der Türken an den Armeniern, dem etwa 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen, und die Reaktionen der Amerikaner, aber auch der Europäer darauf.

Das Buch beginnt mit den ersten organisierten Massakern, die bereits in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts unter Sultan Abdul Hamid II. stattfanden, und der Welle der Hilfsbereitschaft, die in den USA daraufhin einsetzte. Der Hauptteil des Buches widmet sich jedoch dem Völkermord von 1915, der von dem nationalistischen Flügel der Jungtürken minutiös geplant worden war. Der Autor lässt Augenzeugen der Massaker und ausländische Diplomaten - allen voran den US-Botschafter Henry Morgenthau - zu Wort kommen, und zeichnet damit ein umfassendes Bild der Ereignisse. Dass die Schilderungen nichts für schwache Nerven sind, versteht sich von selbst. Am Ende des Buches wird aufgezeigt, wie die USA - vorher der größte Fürsprecher der Armenier - und die europäischen Staaten ihre Wirtschaftsinteressen über ihr Rechtsempfinden stellten und aktiv mithalfen, diesen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts aus dem Gedächtnis der Welt zu tilgen. Die Ausführungen des Autors werden durch ausführliche Fußnoten untermauert.

Interessant ist das Buch auch und vor allem für Menschen, die sich intensiv mit dem Holocaust an den Juden und anderen Völkern im Dritten Reich beschäftigen. Der Autor überrascht vor allem den deutschen Leser mit "politisch unkorrekten", aber historisch offenbar nicht von der Hand zu weisenden Vergleichen der Ideologie und der Untaten der nationalistischen Jungtürken mit denen der deutschen Nationalsozialisten. Beide fühlten sich einer überlegenen "Rasse" zugehörig und strebten ein Großreich an, das alle Menschen dieser "Rasse" vereinen würde und auch nur von diesen bewohnt werden sollte. Beide nutzten einen Weltkrieg, um von ihrem bereits im Vorfeld geplanten Völkermord abzulenken. Auch bei der Durchführung der beiden Völkermorde hat der Autor erstaunliche Parallelen gefunden, die er übrigens nicht unbedingt für Zufall hält. So berichteten deutsche Diplomaten regelmäßig und ausführlich an ihre Regierung, wobei einige den Mord an den Armeniern durchaus guthießen. So mancher von ihnen fand sich später an der Seite Hitlers wieder. Der Autor geht deshalb davon aus, dass dieser die Methoden der Türken zur Ermordung der Armenier kannte. Natürlich wusste Hitler auch, dass über diesen Völkermord nicht mehr gesprochen wurde, so dass er vor seinem Einmarsch in Polen, bei dem er die Vernichtung der polnischen Bevölkerung plante, mögliche Bedenken mit dem Satz vom Tisch wischen konnte: "Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?"

Das Buch spannt einen Bogen in die heutige Zeit, in der die Erwähnung dieses Völkermordes in der Türkei nach wie vor unter Strafe steht, was einige aufrechte Türken nicht davon abhält, ihr Leben und ihre Freiheit zu riskieren, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Auch Deutschland und die USA haben - anders als einige andere europäische Länder - aus politischer Rücksichtnahme dieses Verbrechen noch nicht als das anerkannt was es ist: Völkermord.

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